Schule

Die Bonner Kettelerschule ist eine inklusive Gemeinschaftsgrundschule, die alle Kinder ihres Stadtteils willkommen heißt. 225 Schülerinnen und Schüler, darunter mehr als 40 Kinder mit diagnostiziertem Förderbedarf, leben und lernen im offenen Ganztagsschulbetrieb zusammen. Besonderes Kennzeichen der Kettelerschule sind die neun Lernfamilien: heterogene, jahrgangsgemischte, inklusive Lerngruppen von jeweils 25 Kindern. Hier wird jedes Kind in seiner Einzigartigkeit wahrgenommen und die Unterschiedlichkeit als Chance für das Lernen betrachtet. Klassen- und Förderlehrer sowie ein Bezugserzieher bilden ein festes Team und begleiten ihre Lernfamilie von 8 Uhr bis 16.30 Uhr durch Unterricht und Freizeit. Inklusion wird auf der Basis einer Pädagogik der Vielfalt an der Kettelerschule gelebt. Jedes Kind wird anerkannt, gefördert und gefordert.

Die Kettelerschule stellt sich den besonderen Herausforderungen ihres Stadtteils mit besonderem Erneuerungsbedarf. Ca. 80% ihrer Schülerschaft stammen aus sozialschwachen, bildungsfernen und von Armut betroffenen Familien. Viele Kinder haben Sprachschwierigkeiten, über 50% der Schüler und Schülerinnen sprechen Deutsch als Zweitsprache.

Seit 2006 hat sich die Kettelerschule in einem konsequenten Schulentwicklungsprozess zu einer inklusiv ausgerichteten Stadtteilschule gewandelt. Mit Hilfe des Index für Inklusion unter aktiver Einbeziehung aller am Schulleben Beteiligten konnte diese Entwicklung vollzogen werden. Die Inklusionsgruppe, bestehend aus Schüler-, Eltern- und Pädagogen-Vertretern, arbeitet nach wie vor regelmäßig zum zentralen Thema Inklusion zu konkreten Arbeitsaufträgen.

Mittlerweile verfügt die Schule über eine gute Außenwirkung und wird infolge ihrer herausragenden Arbeit im Bonner Stadtgebiet und darüber hinaus positiv wahrgenommen. Dafür sind zum einen die zahlreichen Anfragen für Hospitationen, Praktika und Ausbildungsersuche von Sonderpädagogik-Studenten als Indikatoren zu werten als auch die zunehmende Zahl von Eltern, die bewusst diese Schule wegen ihres überzeugenden Schulkonzeptes und der engagierten pädagogischen Arbeit auswählen.

Positiv bemerkt werden stets das besonders gute Schulklima und die wertschätzende Atmosphäre in der gesamten Schule. Es herrscht eine positive Lernatmosphäre. Die Kinder, Pädagogen und Eltern kommen gern zur Schule.

Die Kinder erleben in der Schule eine Kultur der Wertschätzung, Anerkennung, Zugehörigkeit und Demokratie. Klassenräte in jeder Lernfamilie und das Kinderparlament sind wichtige Institutionen an der Kettelerschule, um die Schülerschaft in die Gestaltung und Mitbestimmung ihrer Schule einzubeziehen. Nicht zuletzt auch das eigene Schullied „Wir Kinder von der Kettelerschule“ trägt zu diesem hohen Grad an Identifikation mit der Schule bei.

Die Pädagogen verstehen sich an der Kettelerschule als Lernberater, die das individuelle Lernen planvoll und kontinuierlich fördern bzw. begleiten. Dabei suchen sie nach neuen Mitteln und Wegen, um die unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen, Interessen und Leistungsmöglichkeiten der Schüler produktiv zu nutzen. Im konsequent individualisierten Unterricht werden sowohl kooperative Lernformen initiiert als auch eigenverantwortliches, selbstständiges Handeln unterstützt. Davon ausgehend hat die Schule ein Konzept „Forscherecken“ für den Bereich Sachunterricht entworfen, das systematisch in allen Lernfamilien umgesetzt wird. Im Deutsch- und Mathematikunterricht entwickelt die Schule nachhaltig Materialien und Projekte, die auf das Lernen in heterogenen Lerngruppen zugeschnitten sind. Mittlerweile verfügt die Schule über eine umfangreiche schuleigene, computerunterstütze Medien- und Materialbibliothek.

Die Selbstreflexion über das eigene Lernverhalten und die Einschätzung von Lernsituationen ist zentraler Bestandteil des Unterrichts. Regelmäßig führen die Pädagogen Lerngespräche mit jedem einzelnen Schüler durch, bestimmen den Leistungsstand, identifizieren Lernprobleme, entwickeln gemeinsam Lösungen und vereinbaren nächste Lernziele. Die Eltern werden über diese Lerngespräche informiert und erhalten regelmäßig Gelegenheit, sich in diesen Lernprozess einzubringen. Diese kontinuierliche Lernbegleitung wird für jedes Kind in seinem Lernordner umfassend dokumentiert.

Unter dem Leitspruch „Starke Kinder brauchen starke Eltern“ steht die Kooperation mit den Eltern. Die Schule bietet bei Interesse und Bedarf Elterntraining durch eine Schulsozialpädagogin an. Eine gelingende, vertrauensvolle Partnerschaft mit den Eltern aufzubauen ist für alle Pädagogen selbstverständlich. Dazu tragen auch die vielfältigen Schulveranstaltungen im Jahresverlauf, Schulaktivitäten und auch das monatliche Elterncafé bei.

Die Pädagogen arbeiten mit hoher Motivation. Die hervorragende Zusammenarbeit unter den Pädagogen ist geprägt von großer Professionalität und einem lösungsorientierten Denken. Jede Woche tauschen sich die einzelnen Teams aus. Die Pädagogen treffen sich darüber hinaus einmal wöchentlich zu Konferenzen oder Arbeitsgruppen. Regelmäßig finden außerdem Förderplangespräche und Entwicklungskonferenzen statt.

Transparent ist das Schulleben durch einen inklusiven Stundenplan für alle Lehrer, Erzieher und Therapeuten gestaltet. Die gesamte Schulgemeinde ist mittels eines Planungskalenders umfassend informiert. Das effektive Ressourcenmanagement, ein an dem Schulprofil ausgerichtetes Fortbildungskonzept und das systematische Qualitätsmanagement tragen zur Qualitätsverbesserung, zu einer stetig verbesserten Ausstattung der Schule und zur nachhaltigen Erhöhung der Unterrichtsqualität bei. Interne und externe Evaluationen bestätigen die oben beschriebenen Ergebnisse.

Die Schule engagiert sich aktiv zu den Vorhaben „Bildung und Inklusion“ der Stadt Bonn und beteiligte sich am internationalen Comenius-Regio-Projekt der EU in Zusammenarbeit mit der österreichischen Gemeinde Wiener Neudorf. Die Schule, offen für Innovationen, ist mit vielen Kooperationspartnern im Umfeld vernetzt, die das Schulleben in vielfältiger Weise bereichern. Die enge Verzahnung mit zwei therapeutischen Praxen trägt zur Erhöhung des sonderpädagogischen Standards im besonderen Maße bei.

Schule statt Klasse“ ist durchgängiges Prinzip, wenn es um Unterricht und das gelebte Miteinander geht. Auf der Grundlage unseres gelebten Teamverständnisses werden deshalb Vereinbarungen für Regeln und Rituale, Materialausstattung und curriculare Festlegungen lernfamilienübergreifend entwickelt und festgelegt. Dazu gehören auch Eltern- und Mitarbeiterverträge sowie verbindliche Vereinbarungen mit Kindern, in denen wir uns auf die Grundsätze unseres Zusammenarbeitens mit allen am Schulleben Beteiligten verständigen.