Index für Inklusion

Der Index für Inklusion – Unterstützer bei der Schulentwicklung

Schulentwicklung – das passiert überall. Schule ist nie fertig, muss immer weitermachen und sich den Bedingungen anpassen, am besten sofort.

In unserer schnelllebigen Zeit und bei den hohen Anforderungen an Schulentwicklung ist das gar nicht so einfach und braucht Unterstützer.

Als wichtiges Instrument hierzu kann der Index für Inklusion dienen. Er ist im Grunde genommen nicht mehr als eine Sammlung, Ideen anregender Fragen. Und doch ist der Index weit mehr, nämlich der Unterstützer. Mit seiner Hilfe betreiben wir Schulentwicklung hin zu einer ‚Schule für alle’, setzen uns gemeinsam mit Fragestellungen auseinander, finden Lösungen, helfen uns selbst.

Ein Beispiel aus unserer Praxis im Schulalltag:

In der Inklusionsgruppe der Kettelerschule treffen sich demokratisch gewählte Beteiligte aller Gremien als Vertreter für Ihre Gruppe: SchülervertreterInnen, Schulleitung und LehrerInnen – aus Grund- und Förderbereich, Eltern, Koordinatorin und ErzieherInnen des Ganztags, die Schulsozialpädagogin, wenn möglich natürlich auch unser Hausmeister.

Die Treffen finden regelmäßig (quartalsweise) statt, haben einen organisierten Rahmen (wie eine gut geplante Lehrerkonferenz) mit schriftlicher Einladung, eine angenehme Atmosphäre und werden als wichtige Treffen zur Schulentwicklung von der gesamten Schulgemeinde anerkannt.

Die Teilnehmer sind gewählte Vertreter ihrer Gruppe und als Multiplikatoren wichtig für alle an Schule Beteiligte. Sie überbringen die besprochenen Themen aus der Inklusionssitzung in ihre Konferenzen oder Dienstbesprechungen, die Klassenräte etc. Sie informieren und bilden weiterführende Arbeitsgruppen und nehmen die Ergebnisse auch wieder mit in die nächsten Inklusionssitzungen.

Der Index für Inklusion ist an der Schule für jeden Beteiligten einsehbar vorhanden. Alle MitarbeiterInnen wissen, dass er online verfügbar, also überall nutzbar ist. Vor der Inklusionssitzung wird ein Thema ausgewählt, das für die Schule interessant erscheint. Hier bietet sich vor allem zu Beginn der Arbeit mit dem Index ein Punkt aus dem Bereich ‚Inklusive Kulturen schaffen – Gemeinschaft bilden’ (S. 50, Index für Inklusion) an. Während des Inklusionstreffens wird das Thema vorgestellt, erste Gedanken geäußert. In gemischten Kleingruppen erarbeiten die Teilnehmer mögliche Arbeitsschwerpunkte und stellen sie dem Gremium vor.

Unterfragen des Index für Inklusion bieten hierfür Hilfen, über die man in die Diskussion einsteigen kann, zum Beispiel, ob alle Menschen in der Schule bei dem ersten Kontakt freundlich empfangen werden. (siehe S. 53, IfI). Arbeitsschwerpunkte und Ziele entstehen und werden in alle weiteren Gremien transportiert. Hier kann mit den Fragen gearbeitet werden zur Evaluation, es kann aber auch ein Arbeitsauftrag gegeben werden, der nun behandelt werden soll. Eine alternative Vorgehensweise kann sein, eigene Fragen zu entwickeln und diese zu nutzen – der Index für Inklusion lässt sich beliebig erweitern.

Gelingensbedingungen

Eine Grundvoraussetzung für die Arbeit mit dem Index für Inklusion ist die Offenheit gegenüber einer Schulentwicklung. Die Schulleitung muss stellvertretend für die Schulgemeinde Lust auf Veränderungen und Weiterentwicklung haben und diese aktiv betreiben wollen. Ein positiver Blick auf Entwicklung schafft ein Fundament für Veränderungen.

Dieser Offenheit muss sich das Kollegium anschließen können. Die Bereitschaft, Strukturen zu verändern, mittelfristig zu etablieren und gemeinsam Barrieren zu überwinden, gehört in Schule sicher in alle Bereiche und wird immer – mal mehr, mal weniger – stattfinden.

Aus beidem gemeinsam ergibt sich: Der Einsatz des Index für Inklusion muss als demokratisches Handeln genutzt und auch verstanden werden!

Hierbei ist der Wunsch, alle Kinder mit ihren individuellen Stärken und Schwächen aufnehmen zu wollen, eine Haltungsfrage. Die Inklusion muss als Thema an sich wahrgenommen und verstanden werden. Durch Informationsbeschaffung und der Auseinandersetzung mit dem Thema kann inklusives Bewusstsein geschaffen werden. Die Auseinandersetzung muss in allen Gremien geschehen: im Kollegium, in der Elternschaft, aber auch in der Nachbarschaft, der Gesellschaft. Hierzu dienen Elternabende, Konferenzen, Fortbildungen etc.

Entwicklung muss natürlich unterstützt werden. Aber sie muss eben auch vorangetrieben werden. In den eigenen eingespielten Organisationsformen müssen mögliche Umorganisationen betrachtet werden, denn hierdurch werden oftmals eigene Ressourcen freigesetzt. Und plötzlich ist mehr möglich als zuvor. Der Index für Inklusion kann dies unterstützen.

Die Kettelerschule in Bonn sieht sich als Stadtteilschule für alle Kinder. Hier lernen in acht Lernfamilien 200 Kinder jahrgangsübergreifend, ca. 20 % mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Die Schulgemeinde erlebt sich als große Gemeinschaft der Vielfalt. Ihre Schulentwicklung bereitet allen Beteiligten die Grundlage für ein friedliches Miteinander, das voneinander profitiert. Das war nicht immer so, der Index für Inklusion hat mitgewirkt.

Dieser Text wurde verfasst und veröffentlicht für den GSV.
Autorenteam: Christina Lang (Schulleiterin) und Mark Winter (Inklusionsbeauftragter)
aus dem Kollegium der Kettelerschule betreiben im Rahmen der Inklusionsgruppe und darüber hinaus Schulentwicklung.

(Anmerkung der Autorin: Seit dem Schuljahr 2015/16 lernen 225 Kinder in neun Lernfamilien an der Kettelerschule)